Ein langes Richtmikrofon auf der Kamera sieht nach einer starken Tonlösung aus, bleibt bei einem mehrere Meter entfernten Interview aber ebenfalls mehrere Meter von der Stimme entfernt. Für verständliche Sprache ist eine Position nahe an der Person häufig wichtiger als die Länge des Mikrofons. Eine Tonangel oder ein geeigneter Stativarm kann diesen Abstand verkürzen, ohne im Bild zu erscheinen.
Die Bildgrenze gemeinsam festlegen
Richte zuerst den endgültigen Kamerabildausschnitt ein. Führe das Mikrofon vorsichtig von oben ins Bild und ziehe es dann so weit zurück, dass eine kleine Reserve bleibt. Prüfe den tatsächlichen Aufnahmerahmen, nicht nur eine möglicherweise beschnittene Monitoransicht. Bei zwei Kameras müssen beide Bildgrenzen berücksichtigt werden.
Ziele auf den Sprechbereich und höre die Wirkung kleiner Winkeländerungen ab. Ein Mikrofon, das knapp über dem Kopf vorbei auf eine Wand zeigt, kann mehr Raum als Stimme erfassen. Die genaue Ausrichtung hängt vom Modell und dessen Richtcharakteristik ab. Verlasse dich nicht darauf, dass jedes längliche Mikrofon von vorne identisch aufnimmt.
Bewegung und Schatten berücksichtigen
Bitte die Person, zur interviewenden Person zu schauen und wieder zurück. Die Mikrofonposition muss diesen normalen Bewegungsbereich abdecken. Bei größerer Bewegung braucht es eine mitführende Person oder einen anderen Aufbau. Ein sehr enger Winkel kann im Stillstand gut klingen und bei jeder Kopfdrehung deutlich dumpfer werden.
Kontrolliere, ob Angel oder Mikrofon einen Schatten auf Gesicht oder Hintergrund werfen. Auch eine Spiegelung in einem Fenster kann sie verraten. Eine niedrigere Position unterhalb des Bildes ist manchmal möglich, muss aber auf Tischreflexionen, Handbewegungen und Geräusche geprüft werden. Sie ist keine automatisch gleichwertige Ersatzposition.
Den Aufbau mechanisch ruhig halten
Verwende eine passende elastische Halterung und führe das Kabel ohne Zug oder lose schlagende Schlaufen. Bei einem Stativarm müssen Tragfähigkeit und Standfestigkeit für die ausgefahrene Position ausreichen. Stelle nichts ungesichert über eine Person. Eine Handangel sollte während des Gesprächs ohne Griffwechselgeräusche geführt werden können.
Nimm einen Satz und eine kurze Pause auf. Die Pause zeigt, welche Lüfter oder Raumgeräusche in dieser Richtung mitkommen. Vergleiche bei Bedarf eine etwas nähere Position mit kleinerem Bildausschnitt. Wenn der Ton dann deutlich verständlicher wird, ist eine Änderung der Bildgestaltung möglicherweise wirksamer als der Kauf eines noch stärker gerichteten Mikrofons.
Eine größere Einstellung verändert den Tonplan
Wird im letzten Moment von einer Nahaufnahme auf eine Totale gewechselt, muss die Angel meist weiter entfernt werden. Der bisher geprüfte Klang gilt dann nicht mehr automatisch. Nimm eine neue Probe auf und entscheide, ob ein anderes Mikrofon nötig ist. Bei einer Szene mit wenigen gesprochenen Worten kann eine separate saubere Wiederholung sinnvoll sein, wenn sie zum Darstellungszweck passt. Für ein spontanes Interview darf daraus aber keine unbemerkte nachgestellte Aussage werden. Plane bei wechselnden Einstellungsgrößen deshalb den Ton pro Aufbau mit, statt ein einziges Mikrofon aus immer größerer Entfernung als unverändert gute Lösung zu betrachten.
